Freitag, 3. August 2007

Mexico, Mexico: Teil II

Nachdem wir also die erste Nacht in Ensenada verbracht hatten waren wir nun auf der weit und breit einzigen Straße quer durch Baja California in Richtung Südosten entfernt...
Nachdem uns anfangs noch viele Autos und deutliche Zeichen von Zivilisation (riesige Autoschrott-Berge) begegneten, wurde es irgendwann ruhiger, dann noch ruhiger, bis wir endlich da waren: im Nichts!



Stundenlang keine Häuser, fast kein Auto und ausser der Straße kein Anzeichen dass irgendjemand diese Gegend schon mal betreten hatte... Dann plötzlich - mitten im Nirgendwo:




Ein Flughafen und ein Flugzeug!

Zuerst hab ich wirklich gedacht es ist eine Fata Morgana, aber das Ding stand wirklich da - und bestimmt 100 Kilometer in jede Richtung keine Siedlung, Fabrik oder irgendwas anderes.

Nach Stunden der Fahrt hatten wir dann endlich einen kleinen Ort - der allerdings auf unserer Straßenkarte größer als in Realität war - ein Shop. Also haben Lars und ich uns natürlich das geholt was uns endgültig als dämliche Touristen abstempelt:



Zwei mexikanische Hüte...

... und dann weiter auf der endlosen Straße nach Süden! Als wir endlich näher und näher an bewohnte Gebiete kamen, tauchte plötzlich ein mexikanischer Militärposten vor uns auf.

..Um an dieser Stelle der Situation die notwendige Dramatik zu verleihen, versetze ich mich nochmal in das Geschehene und erzähle in der Gegenwart...

Wir nähern uns als dem Militärposten und werden langsamer. Schon aus 100 Metern Entfernung kann ich mindestens eine Hand voll Soldaten bewaffnet mit Maschinengewehren sehen. Wir kommen näher und halten neben ihnen an. Einige der Typen sehen aus wie 16, was die ganze Sache nicht angenehmer erscheinen lässt. Einer der Soldaten geht auf unser Auto zu und Lars kurbelt die Scheibe runter. Auf Spanisch fängt er an irgendetwas zu sagen. Da Lars kein Spanisch versteht und ich zu weit weg sitze um ihn zu verstehen, können wir nicht antworten... Ich beuge mich also rüber, entschuldige mich und sage "otra vez" - "nochmal bitte". Diesmal in einem etwas unfreundlicheren Ton kommt mir ein Satz entgegen den ich als "Fahrzeugkontrolle - Raus aus dem Wagen" interpretiere.
Obwohl schon wegen der Hitze total verschwitzt, läuft mir jetzt das Wasser über die Stirn: Plötzlich fällt es mir wieder ein - Vorsicht bei den Militärkontrollen! Auf keinen Fall einen der Soldaten unbeobachtet lassen! Leichter gesagt als getan - bei 5 Soldaten die jetzt um unser Auto herumstehen...
Reflexartig nehmen also Lars und ich unsere Geldbörsen an uns und steigen aus.
Irgendwo hatte ich gelesen dass man direkt signalisieren soll, dass man kein Amerikaner ist. Also erzähle ich dem Soldaten der uns angelabert hat, dass wir eigentlich Deutsche sind (trotz kalifornischem Kennzeichen) und gerade einen Roadtrip durch Mexiko machen. Sichtlich freundlicher fängt er plötzlich an sich mit mir zu unterhalten und fragt mich ob wir durchgefahren sind von Deutschland (!). Für einen Moment überlege ich ob ich ihm vom Atlantischen Ozean erzählen soll, aber um die gute Stimmung nicht zu zerstören, rede ich lieber übers Wetter. Ein weiterer Soldat, der bisher im Hintergrund gestanden hat, fängt an die Innenverkleidung des Busses abzuklopfen. Ich glaube, in dem Moment ist Lars und mir das gleiche durch den Kopf gegangen - "hoffentlich hat der Vorbesitzer, irgendso ein Surfer-Dude, kein Dope im Auto vergessen für das wir jetzt in der Wüste vergraben werden!".
Anscheinend zufrieden beendet der Klopf-Soldat seine Runde und fängt an mich über Deutschland auszufragen. "Das ist doch das Land das nur Berge hat und wo es immer schneit!". "Nein, Mann! Das ist die Schweiz!"... denke ich mir nur und bestätige ihm stattdessen seine Weltkenntnis. Nach einem weiteren, kurzen Schwachsinnsgespräch (darüber dass es in der Wüste hier selten schneit...surprise!), dürfen wir endlich weiterfahren...

Jeder kann sich an dieser Stelle denken, dass wir total erleichtert waren endlich da weg gekommen zu sein. Allerdings hatte ich mir die Kontrolle etwas anders vorgestellt...

Dann waren wir wieder zurück im Nichts...



Nach insgesamt ca. 6 Stunden Fahrt sind wir dann endlich in San Felipe angekommen. Nach kurzer Suche und kurzer Diskussion haben wir uns im unserer Meinung nach besten Hotel der Stadt einquartiert (für immerhin 70 Euro pro Nacht für beide zusammen) - schliesslich wollten wir die Nacht ohne Kakerlaken und mit unserem Gepäck überstehen.

Dass das teuerste Hotel nicht zwangsläufig gut sein muss, wurde mir klar als ich vom Balkon aus die Umgebung fotografieren wollte...



Der bestand nämlich aus einer schrottreifen, sehr "dynamischen" Metallkonstruktion mit einer dünnen Sperrholzplatte als Boden.





Aber der Blick war es auf jeden Fall wert...

Da wir ausser Quad-Fahren, die Gegend erkunden und am Strand liegen nicht mehr viel gemacht haben (was bei 45°C im Schatten klar ist), zeige ich euch einfach noch ein paar kommentierte Bilder.




Quiz: Welches Tier war das mal? Ein Tipp - hinter mir ist das Meer.




Wer hier denkt das Meer könnte einen erfrischen -vergesst es! Baja California schliesst einen Teil des Pazifiks fast komplett ein - das Wasser ist mindestens 25°C warm an der Küste!




Blick auf den Leuchtturm von San Felipe




Blick auf den alten Hafen - anscheinend ist hier schon länger Ebbe...




Der Strand - das riesige blau-weisse Gebäude ist unser Hotel.




Blick vom Korridor im Hotel nach draussen



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi Basti,

total beeindruckend. Genieß Deine Zeit mit aller Kraft, denn hier in Berlin geht der Ernst des Lebens wieder los. Würd grad so gern mit Dir tauschen...

Bis bald,

Ben